Donnerstag, 24. September 2015

Die Schlacht von Tresequís

Im Frühling des Jahres 277 A◦R◦E kam der Kronrat von Castileón überein, dass es höchste Zeit sei, dem Treiben der Piraten ein Ende zu setzen, die sich Anno 274 auf der Insel Tresequís eingenistet hatten. In seltener Einmütigkeit beschlossen daraufhin die Königliche Admiralität Seiner Majestät Carlos Fernando I., und die Admiralität der Amerindischen Kronkolonie, gemeinsam vorzugehen: je ein Geschwader wurde nach der Insel Descanso del Marinero ausgesandt, von wo aus die vereinte Flota schließlich im Herbst 277 A◦R◦E gegen das Eiland Tresequís vorrückte. Beiden castileonischen Geschwadern ist je eine Karacke als Truppentransporter zugeordnet. Die Galeonen sind instruiert, diesen Karacken den Weg freizukämpfen und die Ausschiffung der Infanterie zu bedecken, damit diese sich der Insel bemächtigen kann.
Zeitgleich hatten Spione diese Pläne der Albionischen Wagniskauffahrteigilde zugetragen. Die Königin zu Caerleon dünkte dies eine günstige Gelegenheit, auf Tresequís das Heft in die Hand zu nehmen. Ohne viel Federlesens wurde eine Flotte ausgerüstet und dem Kommando des unerfahrenen, aber ehrgeizigen Höfling Sir Reginald Thurgood übertragen, dem Königin Gloriana im Zuge dessen den Rang eines Konteradmirals verlieh. Die Merchant Adventurers halfen Tresequís selbstverständlich nicht aus reiner Nächstenliebe. Die Insel, mittlerweile von den Piraten erschlossen und befestigt, ist ein ideales Sprungbrett für Handel nach den amerindischen Gebieten – oder in castileonischer Diktion: Schmuggel und Piraterie. Thurgood war somit instruiert, zwar die castileonischen Geschwader abzuschlagen; jedoch sollte dabei die Streitmacht der Republik von Tresequís tunlichst handlungsunfähig geschlagen werden, damit die Albioner dann schnellstmöglich – bevor die Piraten Verdacht schöpfen - Ihre auf der Karacke Ark Perilous eingeschifften Fußsoldaten anlanden und den roten Seelöwen Albions über Tresequís wehen lassen könnten.


Mit diesen Hintergedanken hatte Sir Reginald eine Patache vorausgeschickt, die Bewohner der Insel zu warnen. Nichts Gutes ahnend machte also der gewählte Commodore, Valerie de Val-du-Roi, die wenigen im zur Verfügung stehenden kampftüchtigen Schiffe seeklar, um sich der castileonischen Übermacht zu stellen, und ihr das Überleben der Freien Republik von Tresequís abzutrotzen. Die Übermacht der castileonischen Geschwader war ehrfurchtgebietend, doch gemeinsam mit den neu gewonnenen Verbündeten aus Albion sollte man ihrer Herr werden können. Fraglich war nur, inwieweit den Albionern zu trauen sei, gar zu selbstlos erschien Val-du-Roi ihr Engagement in diesem fernen Winkel der Welt. Glücklicherweise hatten die Piraten Vorsorge getroffen und auf den vorgelagerten Inseln maskierte Geschützbatterien angelegt. Allerdings mussten sich noch rechtzeitig Besatzungen zu Ihnen einschiffen, wollte man dem Gegner ein paar unliebsame Überraschungen bescheren. Dazu waren die drei Karavellen Zeerower, Caballero Negro und L'Etoile vorgesehen.

Am Morgen des [Datum] stellte sich somit die Lage wie folgt dar: bei frischem Wind aus Nordost drehten die beiden castileonischen Geschwader bei, sobald sie die Insel und auch das albionische Geschwader in Sicht bekommen hatten, um Kriegsrat zu halten. Zu ihrem großen Unglück erlag ganz überraschend bei dieser Gelegenheit Admiral Don Luís Miguel Morcia de Guipuzcoa einem Schlagfluss. Die beiden Konteradmiräle waren sich uneins, wem denn das Kommando zustünde. So gelang es dem königlichen Gesandten Don Martín Cuellar de las Piedras Azules, den Oberbefehl für sich zu beanspruchen. Niemand ahnte, dass Don Martín insgeheim im Sold der Kompanie Doncker & terMuylen stand, und keineswegs das Wohl Castileons verfolgte. Dem Interesse dieses undurchsichtigen zeeländischen Handelshauses eingedenk, gelang es Don Martín, eine Neuaufteilung der beiden Geschwader zu verhindern, so daß in beiden die schnelleren und kampftüchtigen Galeonen durch die schwerfälligen Orlogschiffe und Karacken behindert wurden. Überdies ordnete der königliche Gesandte an, dass sich der amerindische Verband den Piraten zu widmen habe, während sich der königliche Verband den Albionern entgegenwerfen sollte. Solchermaßen instruiert lichtete man Anker, nahm Kurs West-Südwest und geriet prompt im engen Fahrwasser zwischen den vorgelagerten Inseln miteinander ins Gehege, was Castiĺeón ohne Zutun eines Gegners die ersten Spieren kostete.

Unterdessen steuerten die Albioner weiter die Bucht von Tresequís an, mit Kurs Südost. Die Karacke Ark Perilous hielt dabei hinter der Linie unbeirrt auf die Hauptinsel zu. Den schnellen albionischen Galeonen gelang es, sich wie ein Riegel über die Ausfahrt aus der Inselpassage zu legen, und die königlich castileonischen Galeonen mit dröhnenden Breitseiten zu empfangen. Es entspann sich ein mörderisches Gefecht auf kurze Distanz. Durch einen glücklichen Treffer ins Pulvermagazin flog das albionische Flaggschiff in die Luft, doch gelang es den durch die Blessuren im Eröffnungstreffen geschwächten Castileonern nicht mehr, das Heft in die Hand zu nehmen: eine königliche Galeone nach der anderen musste vor den unerbittlichen Kanonen Albions schließlich zu Grunde gehen oder das Weite suchen.


Dem amerindischen Geschwader der castileonischen Flotte erging es nur wenig besser. Zwar entgingen seine Schiffe größtelteils dem albionischen Feuer, da sie an zweiterv Stelle durch die Inselpassage gingen. Doch fielen sie einer Falle zum Opfer, die die Piraten im letzten Augenblick zuschnappen ließen: auf einem kleinen Inselchen, eigentlich nicht mehr als eine Sandbank, hatten sie in weiser Voraussicht eine maskierte Batterie verborgen. Diese war am Morgen noch unbesetzt, doch der beherzte Vorstoß dreier Karavellen unter der Führung von Meester Lennaert tenHolt auf der Zeerower trug Früchte: arg zusammengeschossen langten sie auf dem Sand an, stürmten zur Batterie, und bohrten gleich mit der zweiten Salve das Orlogschiff Gran Princesa de los Cielos in den Grund, die bereits durch eine Kollision angeschlagen war. Auch die Galeone Heroé hatte schwer zu schlucken am Feuer dieser Batterie, und drehte nach der Passage angesichts der kaum geschwächten albionischen Schiffe ab, um sich auf die offene See zu retten.
Ungehindert war es derweil allerdings der Galeone Buenaventura und der Karacke Conquistador gelungen, über eine Untiefe zwischen den  Sänden vorzustoßen, und direkten Kurz auf die Siedlung der Piraten zu nehmen. Zwar musste die Buenaventura arg Federn lassen im Treffen mit der Schnellen Galeone Firedrake, doch gelang es der Conquistador, trotz Abwehrfeuer aus der zweiten versteckten Batterie die eingeschiffte Infanterie anzulanden. Allerdings steht diese nun unter dem formalen Oberbefehl des verräterischen Kronrates Don Martín.
So stellt sich die Gefechtslage am späten Nachmittg dar: die albionischen Truppen sind im Westen von Tresequís angelandet, und konnten dort sicher Fuß fassen. Das königliche Kontingent der castileonischen Infanterie hat sich am Strand vor der Siedlung verschanzt. Über die Bucht verteilt finden sich die mehr  oder minder manövrierfähigen und kampftüchtigen Schiffe der Pirtane und der Albioner, ebensoi wie eine Menge Wracks voller stinkwütender Castileoner. Der kommende Tag verspricht interessant zu werden...
Die Seeschlacht jedenfalls sollte als da erste bewaffnete Treffen des Castileonisch-Albionischen Krieges in die Geschichte eingehen.

Mein Dank gilt den tüchtigen Admirälen. Ich hoffe, sie sehen es mir nach, dass ich mir ein paar Freiheiten damit genommen habe, wie die Schiffe im Einzelnen aus der Schlacht gekommen sind. So kann ich es besser in meine Weltgeschichte einbauen.
Gero – Don Joaquín Solís
Knut – Valerie de Val-du-Roi
Frank – Sir Reginald Thurgood
Arne – Don Felipe Obregón

Die Schiffe sind allesamt von Valiant Enterprises, und im vorigen Posting im Einzelnen zu sehen.

Gespielt wurde nach dem Regelwerk 'Spanish Fury! Sail' von Perfect Captain, in leichter Abwandlung: ich habe die Artillerietabelle verschärft, um das Spiel schneller und brutaler zu machen, und abzubilden, dass bronzene Kanonen im Renacimiento-Hintergrund weiter entwickelt sind, als sie es zu Drakes und Frobishers Zeit waren.

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